Nicht jede Maus hat es so gut und kann sich im Futterhaus bedienen

Mäusejagd

Eine kleine Geschichte um ein kleines Tier aus der Jugend von meinem Vater.

Weitere Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend erzählt er im Buch „Lorbas-verflixter“.

Es ist das Jahr 1947, im Spätherbst. Es ist die schlechte Zeit gleich nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Wir – d. h. – meine Eltern und wir Kinder lebten in einer Wohnung in Wilhelmshaven. Diese hatte neben den Schlafzimmern und dem Wohnzimmer auch eine Wohnküche mit daran einer kleinen Vorratskammer von ca. 2 qm Fläche. Das muss erwähnt werden, damit die „Horror-Geschichte“ verständlich ist.

Als ich am Abend heimkomme, mir die Schuhe und Strümpfe ausgezogen habe gehe ich in die Küche und sehe meine Mutter und die kleine Schwester auf Stühlen stehen. Mein Vater fuhrwerkt indessen in der Kammer herum und haut mit der kleinen Kohlenschaufel von einer Ecke in die nächste und flucht dabei wie er es immer tat, wenn ihm etwas nicht gleich gelang. Auf meine Frage was denn hier vor sich gehe antwortet er mir :“diese verdammte Maus ist zu schnell. Stell dich in die Tür, damit sie nicht in die Küche entwischt.“

Ich stelle mich also mit geschlossenen Füssen wobei ich mich auf die Fersen erhebe in die Tür. Das kleine Mäuslein erblickt darauf die dunkle Höhle unter mir und husch ist sie da drin. Jetzt stelle ich mich aufrecht hin und zerquetsche das arme Tier. Dabei spüre ich aufgrund meiner nackten Füsse, wie die Knochen im Körper der Maus zerbrechen. Mir stellten sich auf meinem kurzgeschorenen Kopf sämtliche Haare auf.

Die Redewendung dass sich die Haare vor Schreck oder Ekel aufstellen, habe ich am eigenen Leib erfahren.